Hätte ich eine Überschriftfunktion stünde hier wahrscheinlich
"Holiday Park macht Therapeuten arbeitslos".
Ich habe sowas aber nicht, daher geht es einfach so los:
In der Pfalz gibt es nicht nur leckere Weine, sondern auch gute
Freunde von uns und den Holiday-Park und am letzten Wochenende
haben wir sogar alle drei Punkte unter einen Hut bekommen.
Nachdem Hannah am Freitagmittag immer wieder mit "Wir müssen
los!" gedrängelt hat, kamen wir nach drei Stunden Fahrt in
Schifferstadt an.
Der Abend lief wie immer: es gab viel zu erzählen, gutes Essen,
leckere Weine und viel zu späte Bettruhe.
Trotzdem ging es am Samstagmorgen früh los in den ältesten Freizeitpark Deutschlands.
Hannah war komplett begeistert von den vielen Angeboten für
Kleinkinder und hat mit so ziemlich jedem Fahrgeschäft mehrfach
ihre Runden gedreht.
Aber auch wir Großen kamen nicht zu kurz, denn wer schon einmal im Holiday Park war, weiß, dass das ein einmaliges Erlebnis ist und
man sich nach einem Besuch den Gang zum Therapeuten schenken
kann.
Warum? Bitteschön:
Das "Balloon Race", eine Attraktion, die man auf gar keinen Fall rückwärts sitzend machen sollte, wenn man am Abend das eine oder
andere Fläschchen pfälzer Wein zu viel genossen hat, ist die beste
Möglichkeit, dem Alkohol für immer zu entsagen.
Wer die "Tour des Fleures" mitgemacht hat, ist sich sicher, dass
der eigene Dealer nur schlechtes Zeug verkauft. Tanzende
Blumenkinder, sich immer wieder ergießende Gießkannen und
wildes Vogelgezwitscher hinterläßt den dringenden Wunsch, den
Planer dieser Bimmelbahnfahrt zu treffen und nach seinen
Wunderpillen zu fragen.
Der "Tanzende Pavillion" hingegen ist eine fast religiöse Erfahrung.
Während man still und demütig vor der kniehohen Absperrung steht
und darauf wartet, dass sich die Elektroschwingtore in Zeitlupe öffnen, wird man von einer meditativen Ruhe durchströmt, die während der Fahrt noch zunimmt. Mit eindudelnder Walzermelodie wird der Fahrgast in sanfte Rotation versetzt und fragt sich die ganze Zeit, ob die Dame am Kontrolltresen wohl satanistische Musik auf ihren Kopfhörern hat, während sie unschuldig in der Gala blättert.
Flugangst wird im Flugsimulator "City Jets" bekämpft. Nachdem man den Steuerknüppel verstanden und ein paar ruppelige Hüpfer am Anfang überstanden hat, steht dem Flugvergnügen nichts mehr im Weg. Die Landung ist immer sicher, denn egal was man macht, der nette Herr am Reglerpult holt einen wieder runter.
Die "Kanalfahrt Anno Tobak" ersetzt locker eine Hypnosestunde mit Rebirthing. Die Optik versetzt jeden Teilnehmer, egal welchen Alters zurück in seine Kindheit. Wer hier nicht seine eigene Kindheit nocheinmal durchlebt, kann es nur noch mit Brauner Bär bis zum Bauchweh versuchen.
"Expedition Ge-Force" ist für Adrenalinjunkies wohl ebenso zu empfehlen wie der 70 Meter hohe "Free Fall Tower", beides im Wechsel und möglichst mehrfach am Tag, läßt auch S-Bahn-Surfers Herz höher schlagen.
Den Free Fall Tower haben wir wegen massiver Höhenangst und
absoluter Schissigkeit einfach mal links liegen lassen (Holgers Arbeitskollegin wäre wahrscheinlich zwischen den Fahrten gar nicht ausgestiegen und wir hätten sie am Abend einfach dort wieder abholen können...) und am legendären Super Wirbel wollte Hannah nicht auf uns warten, so dass wir weiter zu den City Jets gegangen sind, die unsere Kleine absolut begeistert haben (auch wenn sie eigentlich erst ab 3 Jahren erlaubt waren, aber *pst*, schließlich saß sie darin nicht alleine!).
Für Leute mit Waschzwang sind die "Teufelsfässer" gedacht. Die erste Runde ist zum Einweichen, die zweite macht man nach dem Einseifen und das Ganze kann man bei Bedarf mehrfach wiederholen. Aber auch sozial gestörte Menschen werden hier besonders intensiv bedacht, denn schon in der Warteschlange wird die Durchsage "Bitte die Boote immer mit sechs Personen besetzen" in mehreren Sprachen wiederholt.
Uns hat es dort so erwischt, dass unser Bekannter ab dort oben ohne durch den Park marschierte, Holger sich ein Holiday Park T-Shirt kaufte und ich froh war, in weiser Voraussicht eine kurze Hose und ein Ersatz-T-Shirt eingepackt zu haben.
Zum Schluß haben wir uns noch die "Crocodile Diana Show"
angesehen, da Hannah den ganzen Tag Krokodillieder ("Das große Krokodil wohnt am Nil und frisst sooo viel!") singt und die Männer noch ein bißchen was zu gucken haben mussten.
Außerdem lässt sich dort herrlich eine Arachnophobie ablegen. Wer eine halbnackte Frau mit Tausendfüssler, Skorpion, Schlangen, Krokodilen und Vogelspinnen kuscheln sah, braucht vor Schnaken und Hausspinnen nun wirklich nicht mehr auf den Tisch zu hüpfen.
Der Tag wäre wirklich super gewesen, hätte Hannah nicht am
Abend mit einer Mittelohrentzündung flach gelegen und nach
Zwiebelsäckchen verlangt. Also sind wir am Sonntag nach Speyer zum Kindernotdienst und erst dann mit Weingellee, Sonnenbrand und einem schönen Wochenende hinter uns wieder nach Hause gefahren.
Das wird - ohne die Mittelohrentzündung - auf jeden Fall wiederholt!
16:18 Uhr
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