Dienstag 02.12.2008
Tanja, das Internet und das 21. Jahrhundert

Ich mache meine Bankgeschäfte übers Internet. Ich kaufe und verkaufe bei ebay. Telefonieren heißt bei uns immer öfter "skypen" und ein ganzer Haufen Axtmörder gehört mittlerweile auch zum realen Freundeskreis.

Ich habe einen Chefkoch für Inspirationen am Herd, lasse mir von vielen Hobbyschneiderinnen Tipps für Nähprobleme geben und selbst die Weihnachtswichtel kommen aus den Tiefen des Internetz.

Hat Hannah eine Frage, die ich spontan nicht beantworten kann, wird gemeinsam gegoogelt oder bei Wikipedia "nachgeschlagen". Möchte ich wissen, wie ich von A nach B komme oder ob das online zu buchende Hotel wirklich am Strand liegt, hilft mir Google Maps weiter.

Alte Bekannte und Schulfreunde finde ich bei Xing wieder und wann ich das letzte Buch in einer Buchhandlung gekauft habe, weiß ich nicht, denn Amazon schlägt mir doch so toll vor, was ich mögen könnte.

Und ich habe dieses Blog. Seit gut sechs Jahren.

Immer wieder mal gibt es Zeiten, in denen ich hinterfrage, zweifle oder einfach nur den Kaffee auf habe. In denen Trolle nerven oder Menschen in meiner direkten Umgebung meinen, mich zu kennen, weil sie hier hin und wieder lesen und Schlüsse daraus ziehen, die nicht berechtigt sind.

Lustig hingegen ist, dass manche Freunde sich längere Zeit nicht melden, weil sie ja meinen, über unser Leben auf dem Laufenden zu sein und vergessen, dass hier nicht alles steht oder ich in ihr Leben nicht auf dem Monitor gucken kann.

Es gibt kein Passwort auf dem Traumberg und ich versteck mich auch nicht hinter einem Pseudonym. Wer hier schreibt ist immer klar, auch wenn dadurch noch lange nicht klar ist, wer Tanja vom Traumberg nun ist.

Wie sagt eine Zeichentrickfigur von Janosch so schön: "Eine Geschichte muss nicht wahr sein. Es reicht, wenn sie ungefähr stimmen könnte!"

Und da ist was dran.

Hier gibt es keine erstunkenen und erlogenen Märchen, aber auch nicht immer die ganze Sicht der Dinge. Ich möchte niemanden verletzen und manche Sachen sind nun mal so privat, dass sie hier nicht zu lesen sind.

Ich schreibe eigentlich immer nach dem Grundsatz "Das würde ich auch meinem Friseur erzählen", auch wenn es den nicht interessieren würde! ;-) Aber im Netz, in den Untiefen der Axtmörderwelt gibt es immer jemanden, den das hier interessiert oder dem es im besten Fall sogar weiterhilft.

Leute, denen es Spaß macht, mein Rezept für Naschkekse oder gebrannte Mandeln durch die Welt zu tragen, die mir virtuell das Händchen halten, wenn mal wieder ein Zahn Mucken macht oder die sich mit freuen, wenn in der Casa Arendt etwas Schönes passiert. Und bei denen ich mitfiebere, ob der Schwangerschaftstest positiv ist, die kranke Katze wieder fit wird oder der neue Haarschnitt für Mützenwochen sorgt.

Ich lese gerne bei anderen Müttern, denn da kriegt man Anregungen und Ideen zu Erziehung, Bespaßung oder Haushaltsfragen, hin und wieder einen Vorgucker auf Zeiten, die wir noch vor uns haben oder einfach nur den Eindruck, dass es bei anderen auch nicht immer so rund läuft und der eigene Kram doch ganz ok ist.

Ich lese gerne bei Menschen, die was ganz anderes machen als ich, denn da bleibt der Blick offen für neue, veränderte Sichtweisen. Ich lese gerne bei Menschen, die authentisch und ehrlich sind, die gut schreiben können oder mich aus den unterschiedlichsten Gründen in ihren Bann ziehen.

Dass es einen Haufen Menschen gibt, die sich in die Bloggergemeinde nicht hineinversetzen können und sich nur angewiedert abwenden, als hätte man ihnen gesagt "Ich mag Kinder. Am liebsten mariniert und gegrillt", ist klar. Obwohl ich dachte, dass Toleranz eigentlich Grundvoraussetzung für menschliches Miteinander ist und man mit mehr als einem Ohrring pro Seite nicht automatisch asozial ist.

Ich kann aber auf deren entsetztes "Muss das denn sein? Das ist ja öff-ent-lich!" gerne verzichten. Dass sie sich dann aber trotzdem mit hunderten Klicks festlesen, sagt auch eine Menge. ;-)

Und auch, wenn ich so einigermaßen im 21. Jahrhundert angekommen bin, mit einem Handy das mehr Speicherplatz hat als mein erster Computer und bessere Bilder macht als mein erster Fotoapparat: Bei Payback mache ich nicht mit und Urlaubsgrüße gibt es immer noch per Postkarte!

So, Schluß jetzt.

Wer hier lesen und auch kommentieren möchte, ist jederzeit herzlich eingeladen. Aber auch Diskussionen sind willkommen, ob ich mich auf alle einlasse, ist was anderes. Und vielleicht lerne ich durch ein leises "Ich lese hier auch!" noch mehr tolle Menschen kennen.

Ich freu mich über jedes "Piep"! :-)
18:20 Uhr | 33 Kommentare | Dies und Das


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